Vom Waldspaziergang zum einzigartigen Bildungsangebot
25 Jahre WEZ Roggenburg

Blick auf den WEZ-Pavillon und das Kloster Roggenburg

© Foto Sienz

Im würdevollen Rahmen des Refektoriums im Kloster Roggenburg feierte das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Krumbach-Mindelheim ein besonderes Jubiläum: das Walderlebniszentrum (WEZ) Roggenburg besteht seit nunmehr 25 Jahren und hat in dieser Zeit einen besonderen Beitrag zur Bildungslandschaft Schwabens geleistet.

Johannes Kutter, Behördenleiter des AELF, betonte eingangs seinen besonderen Stolz auf diesen einzigartigen Bereich „seines“ Amtes und freute sich, zahlreiche Ehrengäste begrüßen zu dürfen.

Erlebbares Wissen

Hubert Bittelmayer, Amtschef des Landwirtschaftsministeriums, am Rednerpult

© B. Kutter

Hubert Bittlmayer, Amtschef des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums, übermittelte die Glückwünsche der Staatsministerin Michaela Kaniber. 173.000 Menschen konnten die bayerischen Walderlebniszentren 2025 begrüßen, davon 10.000 das WEZ Roggenburg. Die Waldpädagogik erfüllen die Försterinnen und Förster der Bayerischen Forstverwaltung zwar mit gesetzlichem Auftrag, wie er erläuterte, doch es gehe um weit mehr als um einen „Auftrag“, so Bittlmayer. Das Wissen um die Zusammenhänge von Wald, Natur und Holznutzung gehe verloren. Um hier Abhilfe zu schaffen, setzen die Försterinnen und Förster viel Kreativität ein, bekräftigte der Amtschef. Waldpädagogik mache das Wissen erlebbar und gebe den Menschen „ein Gefühl für den Wald mit“.

Alles begann mit einem Spaziergang...

Ende der 90er Jahre spazierten demnach die damaligen Minister Theo Weigel und Josef Miller gemeinsam durch den Roggenburger Wald - auf Initiative des Klosters Roggenburg und mit kleinem Picknick im Grünen. Die Minister waren sich schnell einig, so berichtete Pater Roman Löschinger in seinem Grußwort, dass dieser Standort, umgeben von Staatswald und den drei Forstämtern Krumbach, Illertissen und Weißenhorn, optimale Voraussetzungen für ein waldpädagogisches Angebot mit sich bringe. Zudem befand sich das Bildungszentrum des Klosters im Aufbau. Den Waldpart konnte das Kloster nicht selbst übernehmen, daher holte man sich die Forstverwaltung ins Boot – und so entstand ein „zukunftsfähiger Pakt aus Politik und dem Kloster“, wie er es formuliert.
Pater Roman Löschinger während seiner Rede

"Heute ist Umweltbildung wichtiger denn je [...]. Menschen an den Kreislaufsituationen zu beteiligen, sie zu beteiligen an den Erfahrungen die nötig sind, um verantwortlich zu leben, das ist die Aufgabe des Bildungszentrums und des WEZ."
Pater Roman Löschinger, Leiter des Bildungszentrums Kloster Roggenburg

Keine Veränderung ohne Verbesserung

Für Dirk Schmechel, den ehemaligen Leiter der Abteilung Waldpädagogik an der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, ist es ein wesentliches Merkmal der Waldpädagogik, nicht bei der Wissensvermittlung stehen zu bleiben, sondern Menschen zu ermutigen, „eigenes Verhalten und Wertvorstellungen zu hinterfragen, Lebensstile zu reflektieren und zu ändern.“ Mit Blick auf die aktuellen gesellschaftlichen und forstlichen Herausforderungen sieht Schmechel enorme Chancen für die Waldpädagogik: Sie könne zum Thema Klimawandel unterschiedliche Interessensgruppen zum Gespräch zusammenbringen oder Akzeptanz für eine nachhaltige Waldnutzung schaffen. Außerdem sind selbstentdeckendes Lernen und Forschen sowie Teilhabe an Entscheidungen fester Bestandteil der Waldpädagogik. Abschließend ermutigte er das WEZ-Team, die aktuellen Themen aufzugreifen und zu nutzen, aber auch, sich stetig zu hinterfragen und weiterzuentwickeln, denn „Nicht jede Veränderung ist eine Verbesserung, aber es gibt keine Verbesserung ohne Veränderung.“
Johannes Kutter (re.) überreicht einen Präsentkorb an Dirk Schmechel

„Junge Menschen wollen vermehrt Verantwortung übernehmen und ihre Zukunft mitgestalten. Engagierte Jugendliche von heute sind die gesellschaftlichen und politischen Entscheidungsträger von morgen“.
Dirk Schmechel, ehemaliger Leiter der Abteilung Waldpädagogik an der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft

Zielkonflikte angehen

Eva Treu, Landrätin des Landkreises Neu-Ulm, war es ein besonderes Anliegen, am Festakt teilzunehmen, da ihr der Wald sehr am Herzen liege. Im Wald gebe es so viele Zielkonflikte und unterschiedliche Interessensgruppen, doch es sei es Wert, daran zu arbeiten und wichtig, „schon die Jüngsten abzuholen und darüber aufzuklären“. Sie dankte zum Abschluss allen, „die damals den Mut hatten und die Chance ergriffen haben“ das WEZ und die Kooperation mit dem Kloster anzugehen.

Dem Rückblick auf 25 Jahre Waldpädagogik in Roggenburg widmet sich auch eine neue Ausstellung.
Die aktuelle Ausstellung im WEZ-Pavillon lässt Höhepunkte der Ausstallungen aus den letzten 25 Jahren wieder aufleben.
Der Waldpavillon befindet sich auf dem Parkplatz P3 des Klostergeländes in Roggenburg. Geöffnet täglich von 9 bis 17 Uhr, Eintritt frei.